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Gegen das wahre Huttwil ist kein Kraut gewachsen

Im bisher intensivsten Saisonspiel arbeitet Hockey Huttwil den SC Langenthal mit 5:3 (1:1, 3:1, 1:1) vom Eis. In einer intensiven, hochstehenden Partie zeigt sich: Gegen das wahre Huttwil ist kein Kraut gewachsen. Aber wir sehen nicht jeden Abend das wahre Huttwil.

Wo beginnen und wo aufhören? Das ist die Frage bei der Analyse dieses Derbys. Eine Szene in den Schlusssekunden sagt viel über diese Partie: Die Langenthaler haben Torhüter Louis Kurt durch einen sechsten Feldspieler ersetzt um vielleicht doch noch auf 4:5 zu verkürzen. Huttwils Silvan Hess kommt an den Puck und trifft halbhoch den Pfosten des leeren Tores. Ein Kunststück, für das er im Training wohl mindestens hundert Versuche benötigen würde.

Das ist typisch für dieses intensive, manchmal hektische und immer unterhaltsame Spiel: Den Huttwilern gelingt einfach mehr als den Langenthalern. Aber nicht, weil ihnen die Hockey-Götter helfen. Sondern weil sie mehr für dieses Gelingen tun. Am Ende zermürben sie die spielerisch ebenbürtigen Langenthaler und arbeiten sie vom Eis. Weil sie mit allen vier Linien die Lufthoheit in den Zweikämpfen haben. Die Summe der verlorenen Pucks im eigenen Drittel entscheidet in der Endabrechnung gegen die Langenthaler. Erwähnenswert: Diese Partie ist für den Headschiedsrichter eine heikle Aufgabe und Philipp Clément hat ein sehr gutes Gespür, greift durch, wenn nötig und lässt sonst das Spiel laufen. Eine sehr gute Schiedsrichterleistung.

Dieses Derby erzählt die ganze Geschichte der Huttwiler in dieser Saison: Sie haben nicht mehr die spielerische Magie und die Konstanz der besten Jahre, um in einer extrem ausgeglichenen Liga mit Tempo und Technik zu dominieren. Deshalb sehen wir nicht immer das wahre Huttwil und es kommt hin und wieder zu überraschenden Niederlagen wie gegen Wetzikon, Frauenfeld oder Bülach. Das wahre Huttwil sehen wir nur dann, wenn Technik und Tempo mit Mut, Härte, Energie und Disziplin gewürzt werden wie gegen Langenthal. Am eindrücklichsten in einer Szene kurz nach der Spielhälfte (32. Minute): Jan Weber erkämpft sich in Unterzahl die Scheibe in der gegnerischen Zone und trifft in der entscheidenden Phase zum 3:2. Es ist der wichtigste Treffer dieser Partie. Das Produkt von Biss, Mut und Durchsetzungsvermögen und nicht von spielerischen Schneckentänzen. Zu diesem Zeitpunkt wankten die Huttwiler. Ein Gegentreffer lag in der Luft und wenn die Langenthaler ihr Powerplay zur 3:2-Führung genutzt hätten, dann wäre ein anderer Ausgang möglich gewesen. Aber sie gerieten ausgerechnet in ihrer besten Phase und im Überzahlspiel 2:3 in Rückstand und sollten sich von diesem Schock nicht mehr erholen.

Mit Hockey Huttwil gewann nicht die talentiertere, schnellere, technisch bessere, sondern die mutigere, entschlossenere, robustere, ausgeglichenere und diszipliniertere Mannschaft. Wenn es den Langenthalern gelang, sich aus der eigenen Zone zu lösen und offenes Eis zu gewinnen, dann trugen sie das Spektakel mit schnellen, präzisen Pässen vors gegnerische Tor und kamen zu guten Abschlussmöglichkeiten. Aber gegen die intensive Störarbeit (Forechecking) der Huttwiler gelang das zu selten.

Drei Spieler verdienen im starken Kollektiv der Huttwiler ein paar Bemerkungen: Wenn Robin Nyffeler (Torschütze zum 2:2) in jeder Partie Wucht, Mut, spielerische Klasse und seine Erfahrung aus sechs Jahren und 202 Partien in der zweithöchsten Liga mit dem SC Langenthal in jedem Spiel so bündeln könnte wie in diesem Derby, dann hätte er fast doppelt so viele Skorerpunkte. Torhüter Siro Nicola Wyss kassierte einen haltbaren Treffer in die nahe Ecke zur ersten und einzigen Führung der Langenthaler (1:2 in der 22. Minute). Entscheidend ist nicht, ob ein Goalie Fehler macht. Entscheidend ist, ob er dazu in der Lage ist, ein Missgeschick wegzustecken wie ein Hund das Wasser aus dem Fell schüttelt. Und genau das gelang Huttwils letztem Mann. Er sorgte dafür, dass die Langenthaler in ihrer besten Phase im Mitteldrittel keine weiteren Treffer erzielten. Und ein Stürmer feierte einen erfolgreichen Einstand: Trainer Daniel Bieri hat mit seinen guten Beziehungen zu Langnau einen bemerkenswerten Transfer ermöglicht: Silvan Maurer (20) spielte nach 136 Partien in der höchsten Junioren-Liga (U 21) mit den SCL Tigers gegen Langenthal seine erste Partie im Erwachsenenhockey. Er brachte Energie und Dynamik ins Spiel der Huttwiler, legte bei einem blitzschnellen Tempo-Gegenstoss für Janik Lanz zum 1:0 auf und erzielte den alles entscheidenden Treffer zum 5:3. Er wird nun in der Qualifikation mindestens sechs Spiele für die Huttwiler bestreiten und so für die Playoffs spielberechtigt sein.

Am Samstag (17.30 Uhr) folgt für Hockey Huttwil nach diesem emotionalen Derby-Sieg ausgerechnet die Partie gegen Aufsteiger Pikes Oberthurgau (das Ajoie der MyHockey League). Da kann Daniel Bieri noch so sehr warnen, den Tabellenletzten, der 27 Punkte weniger auf dem Konto hat, ja nicht zu unterschätzen – die Spieler werden seine Mahnungen nach dem grossen Sieg gegen Langenthal wohl nicht ganz ernst nehmen und möglicherweise werden wir nicht das wahre Huttwil sehen. Aber wir sehen ja auch auf höchstem Profiniveau nicht immer das wahre Langnau oder den wahren SC Bern.

Klaus Zaugg

 

Stürmer Robin Nyffeler, Hockey Huttwil

 

Assisantscoach Roger Gerber, SC Langenthal

 

Verfügbar ab 12:00 Uhr


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