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Langenthal besser, Huttwil Sieger – eine Niederlage, die weh tut

Beinahe hätte ein dramatisches Derby geendet wie die Tellspiele in Interlaken. Mit einem einzigen Schuss ins Schwarze. Aber die Huttwiler brachten das 1:0 nicht über die Zeit und besiegten den SC Langenthal erst in der Verlängerung 2:1. Eine Niederlage, die den Langenthaler weh tut.

Derby im Oberaargau ist, wenn Hockey Huttwil gewinnt: Die Huttwiler haben im 11. Derby seit dem freiwilligen Abstieg der Langenthaler den 10. Sieg eingefahren. Für dieses 2:1 in der Verlängerung mussten sie allerdings sehr, sehr hart arbeiten und das Glück des Tüchtigen beanspruchen.

War der Sieg der Huttwiler verdient? Oder hätte eher Langenthal das Spiel gewinnen müssen? Um die Wahrheit herauszufinden, geht der Blick nach oben. Auf die den Videowürfel. Dort lesen wir: 2:1 für Hockey Huttwil. Die Wahrheit steht eben immer oben auf der Resultatanzeige.

Aber ja, die Langenthaler waren in jeder Beziehung ebenbürtig, spielerisch und technisch sogar eine Spur besser und hätten die Partie genauso für sich entscheiden können. Huttwils Trainer Daniel Bieri sagt sogar, der SC Langenthal habe so gut gespielt wie noch nie in den vorangegangenen zehn Derbys. Mit dieser Einschätzung liegt er richtig und provokativ (nicht ganz objektiv) können wir sogar sagen: Langenthal besser, Huttwil Sieger.

Die Langenthaler kombinierten ihr Talent mit Härte, Disziplin und geschickter Taktik. Die Huttwiler hielten auf Augenhöhe dagegen und so entwickelte sich ein Spiel ganz nach dem Gusto der Trainer, aber eher weniger der Fans, die Spektakel und spielerische Schneckentänze einem taktischen Schachspiel vorziehen. Die Schillerfalter bei beiden Teams fanden keine freien Räume, um ihre Flügel zu entfalten. Selbst für das Duo Michael Lüdi/Janick Lanz, das in den letzten acht Spielen immer mindestens einmal getroffen hatte, gab es kein Durchkommen. Das mag zeigen, wie gut Langenthals Trainer Serge Meyer seine Mannschaft taktisch auf diese Partie vorbereitet hatte. Gerade weil so viel Prestige auf dem Spiel steht, weil der gegenseitige Respekt so gross ist, konnte sich kein Spektakel entfalten. Weder die Langenthaler noch die Huttwiler wagten sich aus ihrem „defensiven Schneckenhaus“ heraus und riskierten offensives Vollgas- und Spektakelhockey. Für beide Teams galt: Lieber den taktischen Spatz in der Hand als die spielerische Taube auf dem Dach. Will heissen: Lieber ein Icing (unerlaubter Befreiungsschlag) als ein riskanter langer Quer- oder Steilpass. Nur ein einziges Mal befreite sich doch noch einer aus den taktischen Fesseln: Langenthals Janick Liechti entwischt zu Beginn des zweiten Abschnittes, kann allein auf Torhüter Kevin Liechti laufen (mit dem er nicht verwandt ist) – und scheitert am letzten Mann der Huttwiler. Weiterhin 1:0 statt 1:1. Eigentlich hätte Kevin Liechti die Auszeichnung zum besten Mann des Spiels ebenso verdient wie Fabian Haldimann, der Schütze des 2:1. Er hat sein Team mit einer Reihe von Glanzparaden im Spiel gehalten.

Timo Braus hatte das 1:0 erzielt und lange, lange Zeit sieht es so aus, als ob diese intensive und doch jederzeit faire Partie enden wird wie eine Aufführung der Tellspiele in Interlaken: Mit einem einzigen Schuss ins Ziel. Aber die Langenthaler geben nie auf und arbeiten die Huttwiler schliesslich doch noch vom Eis. In der 57. Minute trifft Thomas Michael zum verdienten 1:1 und so kommt es zur Verlängerung. Und doch: hätten die Huttwiler den Vorsprung über die Zeit gebracht und sozusagen mit einem einzigen gezielten Schuss 1:0 gewonnen, so wäre auch das verdient und halt unglücklich und bitter für die Langenthaler gewesen, die immerhin einen Punkt gerettet haben. Aber nach fünf Siegen in Verlängerungen oder Penalty-Ausmarchungen die erste Saisoniederlage in der „Überzeit“ hinnehmen mussten.

War Huttwils Siegestreffer irregulär?

Emotionen gehören beim Derby dazu. Auch nach dem Spiel. Langenthals umsichtiger Präsident Walter Ryser ist nach dem Siegestreffer der Huttwiler so sehr verärgert, dass er zur Konversation mit dem Headschiedsrichter eiligen Schrittes vor die Kabine der Unparteiischen hinabsteigt. So viel Temperament würde man ihm eigentlich gar nicht zutrauen. Keine Sorge: Alles im Rahmen des Anstandes und sowieso ist Französisch Headschiedsrichter Jonathan Zbindens Muttersprache. So bleibt auch verbal alles im grünen Bereich.

Tatsächlich ist der Ärger des engagierten SCL-Vorsitzenden nachvollziehbar. Eigentlich hätte das Spiel wegen eines unerlaubten Befreiungsschlages (Icing) abgepfiffen werden müssen, bevor Huttwils Fabian Haldimann an den Puck kommt und mit seinem 7. Saisontor in der Verlängerung zum 2:1 trifft. Dass er die Entscheidung herbeiführt, ist kein Zufall: Er bildet zusammen mit Timo Braus die wohl schnellste Flügelzange im Amateurhockey und ist so etwas wie Huttwils bissige Antwort auf Andres Ambühl. Mit Schnelligkeit, Biss und Schlauheit hat er die Verwirrung in der Langenthaler Defensivzone ausgelöst, die schliesslich zum 2:1 führt. Was lernen wir daraus? Icing ist eben nur dann, wenn die Schiedsrichter pfeifen. Und sonst nicht. Haben also die Schiedsrichter versagt und durch einen Fehler das Derby entschieden? Nein. Ganz und gar nicht. Jonathan Zbinden war sogar ein sehr, sehr guter Leiter dieser dramatischen Partie: Er liess mit gutem Gespür grosszügig laufen und honorierte so die faire Spielweise beider Teams. Aber es war doch ein Fehlentscheid, der den Huttwilern den Sieg doch noch brachte? Regeltheoretisch ja. Das erkennen wir so eindeutig allerdings erst, wenn wir in aller Ruhe hinterher das Video konsultieren. Es war eine heikle Entscheidung im optischen Graubereich des Ermessensspielraumes in einem schnellen, unberechenbaren Spiel auf rutschiger Unterlage, die in Echtzeit gefällt werden musste. Hätten die Unparteiischen (und sie waren unparteiisch) das Spiel wegen Icing tatsächlich abgepfiffen, dann hätten die Huttwiler sogar murren dürfen: Mit etwas gutem Willen hätte man das Spiel doch auch laufen lassen können. Und Walter Ryser kann zu seinen Jungs gelegentlich sagen: „Ja, ja, wir sind in Huttwil oben eigentlich betrogen worden. Aber trotzdem: Die Schiedsrichterleistung darf für uns keine Ausrede sein. Ihr müsst einfach besser aufpassen, wenn der Haldimann in unsere Zone stürmt. Ihr wisst doch, wie gefährlich der ist…“ Wenn es schon während der Qualifikation so hoch zu und hergeht: Ach, mögen die Hockeygötter dafür sorgen, dass es in den Playoffs zum Oberaargauer Derby kommt.

Zusatzinfo: Saisonende für Marius Schwegler?

Er ist mit 18 Punkten aus 26 Spielen Huttwils produktivster Verteidiger. Aber mit grosser Wahrscheinlichkeit muss Trainer Daniel Bieri für den Rest der Saison auf den „Vili Saarujärvi des Amateurhockeys verzichten: Marius Schwegler hat in der Partie gegen Dübendorf (4:0) in der 48. Minute einen Faustkampf angezettelt, verlor dabei den Helm und stürzte so unglücklich aufs Eis, dass er eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hat. Er musste auf die zwei letzten Partien gegen Lyss und Langenthal verzichten. Trainer Daniel Bieri hofft natürlich auf eine Rückkehr, sagt aber auch, wichtig sei erst einmal, dass sich Marius Schwegler vollständig erhole und keinesfalls zu früh zurückkehre.

 Klaus Zaugg

 

 Stürmer Fabian Haldimann, Hockey Huttwil

 

 

 Stürmer Mathys Mojonnier, SC Langenthal

 


Premiumpartner

  • Touring-Garage AG Huttwil
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