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Ein dramatisches Spektakel auf Biegen und Brechen

Es war am Samstag einfacher, auswärts Meister und Tabellenführer Seewen 5:3 zu bodigen als nun am Mittwoch auf eigenem Eis ein „wildes“ Wetzikon zu zähmen. Die Huttwiler gewinnen ein intensives, dramatisches Spektakel 5:3 (3:1, 0:1, 2:1). Weil sie in der entscheidenden Phase kühlen Kopf bewahren.

Der Spitzenkampf in Seewen am Samstag war geprägt von Taktik und defensiver Sorgfalt. Zwei Teams, die im Wissen um die Spielstärke des Gegners das Risiko dosierten und versuchten möglichst keine Fehler zu machen. Das Spiel war intensiv, hochstehend aber für beide Seiten meistens berechenbar. So wie es die Coaches gerne sehen.

Die Partie gegen Wetzikon war am Mittwoch hingegen so, wie es die Coaches gar nicht gerne sehen, aber die Fans umso mehr lieben: Wild, unberechenbar, viele Fehler durch spektakuläre, aber riskante Spielzüge und die Partie dadurch immer auf Messers Schneide. In jedem Spielzug wohnte die Hoffnung auf einen krönenden Abschluss und lauerte zugleich die Gefahr eines Konters mit einem Treffer im eigenen Tor. Richtiges, uriges Hockey mit hohem Unterhaltungswert und viel Dramatik. Eigentlich ist Wetzikon auf Rang 9 gemessen an seiner spielerischen Substanz zu schlecht klassiert. Aber es ist wohl so, dass es für die Zürcher einfacher ist, als Aussenseiter einen Favoriten herauszufordern als gegen einen Hinterbänkler einen Sieg zu erzwingen.

Dank einem Traumstart werden die Huttwiler eine kritische Phase im zweiten und dritten Drittel überstehen und letztlich die Partie gewinnen. Nach 6 Minuten führen sie 2:0. Der zweite Treffer ist ein Tor in Unterzahl. Michael Lüdi (er wird nach der Partie zum besten Spieler gewählt) vollendet einen Konter zum 2:0. Und als Timo Braus 31 Sekunden vor der ersten Pause zum 3:1 trifft, da ist die Hoffnung auf eine Vorentscheidung berechtigt.

Aber Wetzikon gibt nie auf. Die Zürcher sind robust, kräftig, mutig und läuferisch mindestens ebenbürtig. Sie suchen ihr Heil mit einer wilden Flucht nach vorne, irritieren die Huttwiler immer wieder mit bissiger Störarbeit in allen drei Zonen. Sie provozieren Scheibenverluste und einmal im Puckbesitz spielen sie direkt und schnörkellos vorwärts. Mit dem polnischen Junioren-Nationaltorhüter Jakub Wieczorek (er hat eine Schweizer Lizenz) haben sie zudem einen starken Rückhalt.
Kurz nach „Halbzeit“ (32. Minute) gelingt der Anschlusstreffer zum 3:2 und nun dominiert Wetzikon bis weit ins Schlussdrittel hinein die Partie und greift nach dem 3:3 in der 46. Minute nach dem Sieg. Siro Nicola Wyss bewahrt sein Team auch in dieser kritischen Phase mit einer Serie von grossen Paraden vor weiterem Schaden. Trainer Daniel Bieri wird nach dem Spiel selbstkritisch sagen: „Eigentlich war Wetzikon besser. Aber wir haben doch noch einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen…“

Den im Startdrittel eingehandelten 1:3-Rückstand wird den Zürchern in der Endabrechnung zum Verhängnis: Zum Ausgleich reicht es, zu einer Wende nicht mehr. Ein dramatisches Spektakel auf Biegen und Brechen: Die Huttwiler biegen sich unter dem gegnerischen Druck, aber sie brechen nicht. Weil sie in der hektischen, dramatischen Schlussviertelstunde nach dem 3:3 kühlen Kopf bewahren. Weil sie auf die Unterstützung der Hockey-Glücksgötter zählen können, die in diesem unberechenbaren Spiel auf rutschiger Unterlage unerlässlich ist. Weil sie in ihrem starken Kollektiv -mit konstant vier Linien Spieler haben, der dazu in der Lage ist, die Differenz zu machen. Michael Lüdi fädelt den Siegestreffer (4:3) in der 53. Minute ein. Er hat den Stock direkt bei vier Treffern im Spiel: Beim 1:0 und 4:3 darf er sich den Assistpunkt gutschreiben lassen, das 2:0 und das 5:3 ins leere Tor erzielt er selbst. Das gehört zu den Qualitäten von Hockey Huttwil: Ein starkes Kollektiv, das den Besten die Möglichkeit gibt, ein Spiel zu entscheiden: Michael Lüdi ist zwar ein dominanter Stürmer, aber kein Star im eigentlichen Sinne. Sondern einer, der sein Ego an der Kabinentüre abgibt und mit seinen Qualitäten seine Mitspieler besser macht. Verletzungsbedingt hat er erst 13 von 22 Partien gespielt und dabei mit einem Flair für „offensiven Sozialismus“ doppelt so viele Assists (10) wie Tore (5) erzielt.

Hockey Huttwil hat nach einem wechselvollen Herbst die von Daniel Bieri angemahnte Konstanz mit dem 7. Sieg in Serie erreicht und im Dezember noch kein Spiel verloren. Die letzte Partie des Jahres wird am Samstag in Thun (17:15) allerdings eine grosse Herausforderung: Thun ist defensiv die Nummer 3 der Liga (53 Gegentore) vor Huttwil (59 Gegentore) und es spielt keine Rolle, ob Gian Graf oder Stephan Küenzi im Tor stehen, beide gehören zu den Besten der Liga. Es wird schwieriger sein, gegen Thun zwei Treffer zu erzielen als gegen Seewen und Wetzikon fünf. Aber inzwischen finden die Huttwiler immer wieder einen Weg, um ein Spiel zu gewinnen.

 

Verteidiger Sivlan Aebi, Hockey Huttwil

 

Stürmer Ari Hocheuser, EHC Wetzikon

 

Verfügbar ab 12:00 Uhr


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