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Hockey Huttwil vs EHC Thun 4:0
Vorne ein Traumsturm, hinten Damian Stettler
Die Rechnung ist vorne und hinten aufgegangen: In einem hochstehenden Spiel arbeitet Hockey Huttwil ein starkes Thun im ersten Saisonspiel mit 4:0 (1:0, 1:0, 2:0) vom Eis.
Wenn Thun kommt, dann rockt es im Campus Perspektiven. So ist es auch dieses Mal bei der Saisoneröffnung am frühen Samstagabend. Thun ist der erwartet starke Gegner: Tempofest, bissig, mit gut strukturiertem Spiel und dem Rückhalt eines starken Goalies. Der wilde Stilist Stephan Küenzi erweist sich einmal mehr als «Dominik Hasek des armen Mannes», produziert Glanzparaden im Akkord und unterhält das Publikum kurz vor Schluss auch noch mit einer Theater-Einlage: Er wird von einem Stürmer gerempelt, macht den «Neymar auf Eis» und hört auf weiterzuspielen, weil er ach so hart angegangen worden ist. Aber die Schiedsrichter fallen auf das Theater nicht herein, lassen die Partie weiterlaufen und Dario Struchen trifft 64 Sekunden vor Schluss ins nunmehr unbewachte Tor zum 4:0. Entscheidend ist dieser Treffer nicht mehr, trägt aber zur Unterhaltung des gut gelaunten Publikums bei.
Ein starker Gegner mit einem einmal mehr herausragenden Torhüter also. Und trotzdem gewinnt Hockey Huttwil mit 4:0 statistisch diskussionslos. Aber das klare Resultat verheimlicht die bis ins Schlussdrittel hinein andauernde Dramatik. Erst das 3:0 durch Silvan Wyss in der 58. Minute ist die endgültige Entscheidung.
Diese intensive Partie gegen einen Gegner auf Augenhöhe war mit spielerischen Hosenknöpfen nicht zu gewinnen. Was machte also die Differenz beim erfolgreichen Saisonstart? Zwei Faktoren, je einer vorne und einer hinten. Daniel Bieri formiert mit Timo Braus und Fabian Haldimann auf den Aussenbahnen und mit Michael Lüdi im Zentrum eine neue Paradelinie, die zuletzt vor zwei Jahren in dieser Zusammensetzung gestürmt hatte. Es ist also die «Wiedergeburt» eines Traum-Sturmes. Dieses Trio macht mit einer Kombination aus Tempo, Dominanz, Schlauheit und Energie die Differenz. Michael Lüdi zieht immer wieder die Gegenspieler auf sich und das führt dazu, dass der Schillerfalter Timo Braus mehr Raum und Zeit bekommt, um seine Flügel zu entfalten. Fabian Haldimann ist mit seiner Energie der Dynamo dieses Trios. Eigentlich logisch, dass es funktioniert: Die Flügelzange Timo Braus/Fabian Haldimann war einst schon bei Langnaus Junioren erfolgreich.
Logisch also auch, dass Timo Braus mit dem 1:0 (3. Min.) und Michael Lüdi (25. Min.) die Partie in die für die Huttwiler günstigen Bahnen lenken. An einem guten Abend ist diese Sturmlinie einer der besten der Liga und kann gegen jeden Gegner die Differenz machen. Und nun beim Saisonauftakt dafür gesorgt hat, dass es gelingt, den grossen offensiven Aufwand in die entscheidenden Tore umzumünzen. Kein Schelm, wer fragt, wie es wohl herausgekommen wäre, wenn diese Linie schon im letzten Frühjahr im Final in dieser Zusammensetzung gespielt hätte.
Die Rechnung geht vorne aber nur auf, weil sie auch hinten stimmt: Die drei anderen Linien halten gegen den starken Gegner das «zu null» mit Disziplin, Leidenschaft viel Energie – und dank Damian Stettler. In seiner ersten Meisterschaftspartie für Hockey Huttwil ist der ehemalige Langnau-Junior die erhoffte Verstärkung und in dieser Form einer der besten Torhüter der Liga. Ein ruhiger Stilist («Stéphane Charlin des armen Mannes»), der mit der Erfahrung aus mehr als 80 Spielen in der Swiss League Ruhe und Sicherheit ausstrahlt und beim Stande von 2:0 mit mehreren grossen Paraden verhindert, dass die Thuner ins Spiel zurückfinden. Wir können es auch so sagen: Der erste Sturm spielte zum offensiven Tanz auf und die drei anderen Linien haben die Thuner vom Eis gearbeitet.
Hockey Huttwil hat mit Trainer Daniel Bieri zum 7. Mal hintereinander das erste Spiel der Saison gewonnen. Ganz offensichtlich stimmt also die Saisonvorbereitung und aus der 0:1-Testspiel-Niederlage gegen den gleichen Gegner sind die richtigen Lehren gezogen worden. Nun obliegt Huttwils Trainer die angenehme Pflicht, beim Training am Montag seine Männer zur Bescheidenheit zu ermahnen und dafür zu sorgen, dass der nächste Gegner nicht unterschätzt wird: Am Mittwoch reisen die Huttwiler quer durch die Schweiz nach Romanshorn um dort gegen die Pikes Oberthurgau, das Ajoie der MyHockey League die eigentlich obligatorischen drei Punkte einzufahren. Aber die Ausgeglichenheit ist inzwischen in der MyHockey League ähnlich gross wie in der National League. Vor einem Jahr setzte es nach einem überzeugenden ersten Saisonspiel (6:3 gegen Thun) am darauffolgenden Mittwoch eine schmähliche, mit mehr als 30 Strafminuten garnierte 3:5-Niederlage ab.
Timon Nyffeler fällt für unbestimmte Zeit aus
Vorkämpfer Timon Nyffeler hatte die letzte Vorbereitungspartie gegen Lyss noch bestritten (9:3), fehlte aber beim Saisonauftakt gegen Thun. Trainer Daniel Bieri erklärt, warum er den Bruder von Robin Nyffeler nicht eingesetzt hat. «Er ist im Testspiel gegen Dübendorf in einen harten Check gelaufen und anfänglich schien es keine grosse Sache zu sein. Aber inzwischen zeigen sich Symptome einer Gehirnerschütterung. Wir setzen ihn erst wieder ein, wenn er sich hundertprozentig erholt hat.» Die Huttwiler hatten die Testpartie in Dübendorf am 29. August 1:7 verloren.
Klaus Zaugg
Stürmer Fabian Haldimann, Hockey Huttwil
Stürmer Pascal Rossel, EHC Thun
Highlights ab 12 Uhr verfügbar





















