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Hockey Huttwil vs EHC Seewen 4:2
Den Charaktertest bestanden, den Meister gebodigt
Krise? Nein. Hockey Huttwil hat auf die zwei bitteren Niederlagen in Wetzikon und Frauenfeld die richtige Antwort gefunden und Meister Seewen in einer begeisternden Partie 4:2 (1:0, 2:1, 1:1) gebodigt.
Ausreden hätte es im Falle einer Niederlage gegen Seewen zahlreiche gegeben: Der Meister war noch unbesiegt. Die Huttwiler hatten hingegen nach dem grandiosen Startsieg gegen Thun (6:3) eine überraschende Niederlage in Wetzikon (3:5) und gar eine schmähliche in Frauenfeld (0:3) erlitten – „zu null“ gegen ein Frauenfeld, das in den letzten zwei Jahren in vier Partien vom Eis gefegt worden ist (8:3, 4:1, 9:2, 7:4). Insgesamt fehlten bei diesen beiden Auswärtsniederlagen neun Kaderspieler und gegen Seewen immer noch sieben. Die Flügelfräse Timon Nyffeler musste beim knappen Personalbestand in die Verteidigung zurückgenommen werden – und hielt sich von der Strafbank fern. Stürmer Yannick Lerch erlitt im Laufe des Spiels eine Adduktoren-Zerrung und muss wohl bis zu drei Wochen pausieren. An Ausreden hätte es also wahrlich nicht gefehlt.
Aber Hockey gilt zu Recht als letzter echter Teamsport. Namen sind nur auf das Leibchen genähte Buchstaben. Mit einem nahezu perfekten Spiel besiegten die Huttwiler ein starkes Seewen in einer intensiven, schnellen und hochstehenden Partie verdient 4:2. Sie dominierten sozusagen zu Wasser, zu Land und in der Luft. Das spielerische Feuerwerk entzündete Timo Braus. Er knöpfte einem Gegenspieler den Puck ab und vollstreckte mit einer bemerkenswerten Mischung aus Eleganz und Kaltblütigkeit zum 1:0 (9. Minute). Dieser Treffer wirkte wie eine Initialzündung und verscheuchte alle Zweifel und Unsicherheiten. Es war der frühe Lohn für eine von allem Anfang an offensive Spielweise, die zeitweise in „totales“ Hockey mündete, das einem starken Gegner nur wenig Zeit und Raum zur Entfaltung des Spiels gewährte. Auf alles, was Seewen versuchte, fanden die Huttwiler zum richtigen Zeitpunkt die richtige Antwort und sie verloren nie die Balance zwischen offensivem Risiko und defensiver Absicherung. Nur 68 Sekunden nach dem 1:1 folgte das 2:1 durch Dario Struchen (32. Min.). Der dynamischste, präziseste und beste Spielzug der ganzen Partie brachte gut 3 Minuten nach Seewens Anschlusstreffer zum 3:2 die definitive Entscheidung durch Silvan Hess, der einen Pass von Dario Struchen unhaltbar zum 4:2 versenkte (50. Minute). Seewens Torhüter Christian Schön hielt wie mit tausend Händen und mit spielerischen Hosenknöpfen war er nicht zu bezwingen. Den Ruhm des Siegestreffers (statistisch ist es das 3:2 in der 36. Minute) gehört Michael Lüdi. Sein erster Meisterschaftstreffer seit der Rückkehr nach einer einjährigen Pause. Er ist definitiv wieder in Huttwil angekommen. Wichtig auch: Torhüter Kevin Liechti hat auf die 0:3-Pleite in Frauenfeld reagiert und war ein starker Rückhalt.
Trainer Daniel Bieri kann toben. Aber er hatte nach den missglückten Gastspielen in Wetzikon und Frauenfeld nicht getobt. Er hätte so nur die Unsicherheit erhöht. Vielmehr zeigte er bestimmt, ruhig und gelassen anhand von ausgewählten Video-Szenen die Fehler, die sich ein Spitzenteam nicht leisten kann. Präsident Heinz Krähenbühl mahnte nun nach dem 4:2 gegen Seewen, man möge nicht zu sehr rühmen. Aber wenn zwei der besten Amateurteams des Landes ein packendes Spiel zeigen, das punkto Tempo, Intensität und Präzision gutes Swiss League-Niveau erreicht, dann darf gerühmt werden. Kritik, wem Kritik gebührt, aber eben auch Lob, wem Lob gebührt. Die Huttwiler haben zwei enttäuschende Niederlagen aus der Hockey-Seele geschüttelt wie ein Hund das Wasser aus dem Fell und den Charaktertest bestanden. Wenn sie dazu in der Lage sind, auf zwei Niederlagen mit ihrem besten Hockey zu reagieren, dann werden sie auch Lob nach einem begeisternden Spiel verkraften können. Die nächste Partie ist gleich eine Charakterprobe: Die Cup-Partie am nächsten Sonntag im Bieler Hockeytempel gegen den Zweitligisten Meinisberg (16.00 Uhr), der zwar zwei Ligen tiefer spielt aber mit Jan Mosimann (31) einen Stürmer mit der Erfahrung aus über 100 Partien in der höchsten und über 300 in der zweithöchsten Liga mitbringt. Das nächste Heimspiel folgt am Samstag in einer Woche (4. Oktober) um 17.30 gegen Dübendorf.
Assistenztrainer Sandor Hain, Hockey Hockey Huttwil
Cheftrainer Raphael Zahner, EHC Seewen





















