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Getanzt, gezittert, gejubelt

Hockey Huttwil taumelt gegen Frauenfeld am Abgrund der Niederlage und findet doch noch einen Weg zum Sieg (4:3 n.P). Nach diesem schwierigen Playoff-Start gibt es eine alles entscheidende, bange Frage: Hat Trainer Daniel Bieri in der Energiefrage recht?

Am Ende entscheidet das Duell Mann gegen Mann. Stürmer gegen Goalie. Zuerst versenkt Huttwils Topskorer Michael Lüdi den 5. Penalty. Im Gegenzug scheitert Frauenfelds Topskorer Timo Kauth an Huttwils Torhüter Kevin Liechti. Die Huttwiler gewinnen den Playoff-Auftakt gegen Frauenfeld 4:3 nach Penaltys und brauchen noch zwei Siege, um den Halbfinal zu erreichen.

Eigentlich müsste Trainer Daniel Bieri trotz des doch noch glücklichen Endergebnisses schon ein wenig besorgt und missmutig sein. Aber er ist erstaunlich gelassen, ja geradezu gut gelaunt. Obwohl seine Männer alles andere als eine perfekte Partie gespielt haben. Sie tanzen am Anfang Walzertakt und kommen mit erstaunlicher Leichtigkeit bis zur 25. Minute zu einer 2:0-Führung. Der Weg zum Sieg scheint eine Autobahn. Aber die Leichtigkeit der Startphase mündet bald einmal in eine Zitterpartie und aus dem Walzer wird Rock’n‘Roll. Mit den wahrscheinlich besten 58 Sekunden der Klubgeschichte schafft Frauenfeld den Ausgleich zum 2:2. Erst gelingt Adrian Wetli, der ein wenig an Nino Niederreiter mahnt, mit einer Soloeinlage, die selbst in der NHL die Fans von den Sitzen gerissen hätte, der absolut unhaltbare Anschlusstreffer zum 2:1. Dann versenkt der flinke Floh Nino Russo nach einem Powerplay, präzis gespielt als sei es von einem Geometer vermessen worden, den Puck völlig unhaltbar zum 2:2. 30 Minuten und 8 Sekunden sind gespielt und alles beginnt wieder von vorne.

Der Schock sitzt tief. Die Frauenfelder scheitern an Kevin Liechti, der sein Team in der kritischsten Phase im Spiel hält und verpassen im Mitteldrittel eine mögliche Entscheidung. Aber Robin Nyffelers 3:2 gleichen sie im Schlussdrittel mit einer beunruhigenden Selbstverständlichkeit aus und überstehen die restliche Spielzeit und die Verlängerung problemlos.

Daniel Bieri sagt, sein Team habe alles in allem verdient gewonnen. Aber das sieht er ein wenig durch eine rosarote Brille: Die Penalty-Entscheidung, die letztlich eine Zufälligkeit ist, hätte auch zu Gunsten von Frauenfeld ausgehen können und dann müssten wir anerkennen: Frauenfeld hat verdient gewonnen.

Womit wir wieder beim Thema sind: Wie kann es sein, dass Daniel Bieri nach einem erzitterten und glücklichen Sieg zum Playoff-Aufgalopp gut gelaunt ist? Die Antwort ist gar nicht so kompliziert. Die Huttwiler haben ihren Gegner zu einem kräftezehrenden Spiel über 80 Minuten gezwungen. Um in der Hockeysprache zu reden: Huttwil hat Frauenfeld vom Eis gearbeitet. Und dabei durchwegs vier Linien eingesetzt und so die enorme Belastung auf mehr Beine und Schultern verteilt als der Gegner, der seine besten Kräfte womöglich stärker forcieren musste, um mit dem Favoriten auf Augenhöhe zu bleiben. „Wir haben damit gerechnet, dass diese erste Partie schwierig wird“ bilanziert Daniel Bieri. „Ich gehe davon aus, dass wir weniger Energie verbraucht haben und in den weiteren Partien frischer sein werden.“

Aber es kann auch ganz anders kommen: Es ist nämlich das Duell zwischen der durchschnittlich leichtesten und kleinsten gegen die durchschnittlich grösste und schwerste Mannschaft der Liga. Die Frauenfelder sind im Schnitt vier Zentimeter grösser und sechs Kilo schwerer und eher rumpelfester als die Huttwiler.

Logisch also, dass es in der schnellen, intensiven Partie oft gerumpelt hat und die Unterhaltung grandios war. Es hat sich gelohnt, rechtzeitig aus Mailand zurückzukehren. Dazu passt, dass es der zähe, furchtlose Robin Nyffeler, der Mann der wenigen, aber wichtigen Tore ist, der den dritten Treffer erzielt: Er hat nicht umsonst sechs Jahre lang bei Langenthal in über 200 Partien die Härte und Intensität der Swiss League ausgehalten - ohne mit einem Auge zu blinzeln. Und dazu passt eben auch, dass sich Topskorer Michael Lüdi gegen seine robusten Gegenspieler nie richtig entfalten kann, in 80 Minuten ohne Skorerpunkt bleibt und die Herrlichkeit seines Talentes erst aufblitzt, als er weder Check noch sonst eine gegnerische Störaktion zu befürchten hat: Er versenkt den entscheidenden Penalty so, wie es eben nur einer mit seinem Talent vermag. Daniel Bieri hatte ihn bewusst zurückgehalten um ihn erst beim 5. Penalty von der Leine zu lassen. Aber es ist schon ein wenig beunruhigend: Nicht nur Michael Lüdi hatte einige Mühe gegen seine robusten Gegenspieler. Auch Schillerfalter Timo Braus fand noch keine freie Startbahn, um seine Schnelligkeit und Schusstechnik zu entfalten. Und es ist Frauenfeld sogar gelungen, mit Janik Lanz Huttwils mit Abstand besten Torschützen dieser Saison zu neutralisieren.

Bei aller Intensität und Härte: Alles blieb im Rahmen der Regeln. Was für die Disziplin beider Teams, aber auch für eine sehr gute Schiedsrichterleistung spricht: Die Unparteiischen liessen richtigerweise grosszügig laufen.

Der Energieverbrauch war also zweifelsfrei hoch. Aber war er – wie Daniel Bieri vermutet - beim Aussenseiter tatsächlich grösser? Das ist nun die alles entscheidende Frage. Lautet die richtige Antwort „Ja“, dann steht die Türe in den Halbfinal weit, weit offen. Lautet sie hingegen „Nein“, dann wartet auf die Huttwiler ein beschwerlicher Viertelfinal, der womöglich erst im 5. Spiel entschieden wird. Zwar hat Daniel Bieri tatsächlich bis zum Schluss der Verlängerung vier Linien durchgewechselt. Aber Frauenfelds Spiel war von der Angriffsauslösung bis zum Abschluss präziser, direkter – und kräfteschonender. Dazu kommt, dass die Huttwiler viel zu viele Bullys verloren haben und dann die Scheibe wieder zurückkämpfen mussten. Alles deutet darauf hin, dass so oder so angerichtet ist für eine dramatische Playoffserie. Die nächsten Termine: Am Dienstag in Frauenfeld, am Donnerstag im Campus Perspektiven. Es wäre eine Überraschung, wenn die Huttwiler bereits am nächsten Donnerstag gegen diesen taktisch schlauen und robusten Gegner alles klarmachen könnten.

Klaus Zaugg

 

 

 

Stürmer Michael Lüdi, Hockey Huttwil

 

Stürmer Timo Kauth, EHC Fraunenfeld


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