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Hockey Huttwil vs EHC Dübendorf 2:7
Nur ein spektakulärer „Betriebsunfall“, oder?
Das milde Herbstwetter und das spielerische Hoch sind zu Ende gegangen: Hockey Huttwil verliert nach der höchsten Heimniederlage der Ära von Trainer Daniel Bieri die Tabellenführung. Eigentlich sollten die Huttwiler dazu in der Lage sein, dieses 2:7 gegen Dübendorf aus der Hockey-Seele zu schütteln wie ein Hund das Regenwasser.
Völlig chancenlos? Ein einseitiges Spiel? Das Resultat (2:7) lässt diesen Schluss zu. Erstmals in der Ära von Daniel Bieri seit Januar 2020 - haben die Huttwiler auf eigenem Eis sieben Tore kassiert. Es ist die heftigste Heimniederlage in der Geschichte von Hockey Huttwil seit dem 9. Januar 2019. Damals gab es noch mit Andreas Beutler an der Bande gegen Dübendorf ein 3:11.
Aber hin und wieder sagt das Resultat nicht die ganze Wahrheit. Die Huttwiler waren am Samstag im Spitzenkampf gegen den Tabellenzweiten (und nun neuen Tabellenführer) optisch ebenbürtig. Sie verzeichneten mehr Torschüsse und zeitweise dominierten sie sogar. Wie konnte es trotzdem zu diesem Absturz kommen?
Am Anfang steht die miserable Startphase (0:3 nach 13:09 Minuten). Sie wird sich als Hypothek erweisen, die nicht mehr amortisiert werden kann. Aber Daniel Bieris Männer erholen sich. Kurz vor „Halbzeit“ trifft Topskorer Timo Braus zum 2:3 (28:21 Min.). Nun rocken die Huttwiler den Gegner. Vor allem der erste Sturm – angeführt von Timo Braus – braust den Zürchern um die Ohren. Fabian Haldimann verpasst zwei erstklassige Torchancen. Keine Frage: Eine Wende zeichnet sich ab. Ein oder gar zwei Treffer und das Spiel wäre vielleicht gekippt, Hockey Huttwil hätte die Partie gewinnen und die Tabellenführung behaupten können.
Es gibt allerdings Gründe, warum es beim „wäre“ und „hätte“ geblieben ist. Der spektakuläre Untergang gegen Dübendorf ist das Resultat einer Entwicklung, die mit dem Derby-Sieg gegen Langenthal (2:1 n.P.) vor einer Woche begonnen und beim Auswärtssieg gegen Meister Seewen am Mittwoch (5:3) bestätigt worden ist: In beiden Partien gewannen die Huttwiler mit dem Beistand der Hockeygötter. Die Nachlässigkeiten hatten keine Folgen. Alle berechtigten Mahnungen des Trainers blieben ungehört. Verständlich. Wir haben gewonnen! Gegen Langenthal! Gegen den Meister! Wir machen alles richtig! Da löst der „Göschenen-Airolo-Effekt“ jeden warnenden Hinweis auf: Des Trainers Worte gehen bei den Spielern bei einem Ohr rein und beim anderen gleich wieder raus.
Die hoch konzentrierten Dübendorfer fangen den Sturmlauf ab, kontern präzis und nützen defensive Nachlässigkeiten eiskalt aus. Sie erhöhen in nur 78 Sekunden von 2:3 auf 2:5 (37. und 38. Minute). Huttwils Untergang ist also auch einem starken, von Trainer Christian Weber bestens vorbereiteten Gegner geschuldet.
Ist Torhüter Damian Stettler schuld? Nein. Er ging zwar schon fast übermotiviert in diesen Spitzenkampf, vermochte sein bestes Hockey nicht abzurufen und kassierte im Schlussdrittel einen haltbaren Treffer. Aber da war die Messe längst gelesen. Die fünf ersten Gegentore waren nicht haltbar. Nur ein Damian Stettler in absoluter Bestform hätte etwas ausrichten können. Aber er war eben nicht in Bestform und „nur“ ein guter, aber kein überdurchschnittlicher Goalie.
Gibt es kritische Fragen an Daniel Bieri? Ja, die gibt es. Mit Siro Nicola Wyss hatten die Huttwiler die letzten zwei Partien gegen Langenthal und Seewen gewonnen. Nach dem Grundsatz „Never change a winning team“ („Stelle nie eine siegreiche Mannschaft um“) war also ein Torhüterwechsel nicht erforderlich. Aber bei zwei praktisch gleichwertigen Goalies machte es Sinn, nun wieder Stettler eine Chance zu geben.
Hätte Daniel Bieri nach dem 0:3 seinem Team mit einem Time-Out eine Verschnaufpause verschaffen sollen? Er sagt dazu: „Ich wollte mir das Time-Out für eine spätere Phase aufsparen. Wir haben ja auch ohne Time-Out reagiert und auf 2:3 aufgeholt.“ Eine weitere Möglichkeit das Team aufzurütteln wäre ein Torhüterwechsel gewesen. „Rückblickend würde ich es wahrscheinlich machen. Aber ob es geholfen hätte, bleibt offen…“ Die einzige taktische Massnahme: In den letzten zehn Minten kamen Robin Nyffeler, Joel Bieri und Michael Lüdi – also der zweite Sturm – nicht mehr zum Einsatz. Waren die drei also die „Sündenböcke“ für die Niederlage? Nein. Daniel Bieri hat das Trio wohlweislich nicht mehr aufs Eis geschickt. Alle drei sind reizbare offensive Leitwölfe und nehmen – richtigerweise – Niederlagen nicht einfach mit einem Schulterzucken hin. Mit Strafen verbundene Frustreaktionen lagen in der Luft.
Ist dieses 2:7 also bloss ein „Betriebsunfall“? In einer langen Meisterschaft mit mehr als 30 Partien ist ein missglückter Abend zwischendurch nicht zu vermeiden. Eine gewisse Müdigkeit – mehr im Kopf als in den Armen und Beinen – spielt auch eine Rolle: Die Huttwiler zelebrieren ein dynamisches Tempohockey, das viel Energie braucht und höchste Konzentration erfordert. Dabei geht leicht vergessen, dass die Spieler ja nicht Profi mit entsprechender Erholungszeit sind. Alle gehen einer geregelten Arbeit nach. So gesehen ist eigentlich klar: Ja, es war ein spektakulärer „Betriebsunfall“.
Daniel Bieri stimmt dieser Einschätzung allerdings nicht zu. Kein Trainer, der bei Sinnen ist, wird je eine Niederlage als „Betriebsunfall“ kleinreden. Er spricht von einem heilsamen Schock, einer hoffentlich heilsamen Niederlage. „Wir müssen daraus die richtigen Schlüsse ziehen.“ Er hat nun eine Woche mit drei Trainings Zeit die Dämonen des Zweifels zu vertreiben und das Selbstvertrauen vor allem bei Damian Stettler wieder aufzurichten. Winterthur ist aus finanziellen Gründen freiwillig in die MyHockey League abgestiegen und am nächsten Samstag auswärts der nächste Gegner (17:15 Uhr). Damian Stettler war letzte Saison bei Winterthur die Nummer 1 mit einer guten Fangquote von über 90 Prozent. Daniel Bieri wird ihn wohl erneut ins Tor stellen. Damit er den Frust der sieben Gegentore aus der Seele spielen kann.
Klaus Zaugg
Headcoach Daniel Bieri, Hockey Huttwil
Stürmer Jari Allevi, EHC Dübendorf
Highlights ab 12 Uhr verfügbar





















