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Hockey Huttwil vs EHC Chur 4:1
Eine Gala, wenig Drama und ein perfektes Spiel
Huttwil gelingt ein perfektes Spiel, besiegt ein starkes Chur 4:1 und steht im Halbfinal. Der Gegner heisst im Halbfinal entweder Thun oder Martigny.
Das gleiche Zwischenresultat. Die gleichen Teams. Aber zwei völlig verschiedene Spiele. Am Dienstag führt Huttwil auf eigenem Eis gegen Chur nach 21 Minuten 3:0 und verliert 3:5. Chur gleicht die Serie zum 1:1 aus. Nun steht es am Samstag nach 14 Minuten erneut 3:0. Aber Chur wird bis zum Ende der Partie nie eine Chance haben. Huttwil gewinnt 4:1 und steht im Halbfinal.
Zwischen dem 3:5 am Dienstag und dem 4:1 am Samstag gewinnt Huttwil auswärts in Chur 5:1. „Wir sind als Mannschaft in dieser Serie gewachsen" sagt Cheftrainer Daniel Bieri. Die Erfahrung aus der letzten Saison – die Huttwiler erreichten den Final gegen Basel – hat die starke Reaktion erleichtert. „Diese Erfahrung fehlt uns" sagt Churs Trainer Reto von Arx. Auch diese letzte Partie sei schnell und intensiv gewesen. „Wir sind sehr enttäuscht. Aber ich habe meinen Jungs nach dem Spiel in der Kabine gesagt, dass sie auf ihre Leistung stolz sein können. Wir haben gegen ein sehr diszipliniertes Huttwil verloren. Details haben den Ausschlag gegeben." Reto und Jan von Arx haben Chur im Laufe der letzten Saison übernommen, die Playoff-Qualifikation aber nicht mehr geschafft. Diese Saison stürmten die Bündner in der Qualifikation auf den 2. Platz und sind nun im Viertelfinal an Huttwil gescheitert.
Wir können es auch so auf den Punkt bringen: Nicht die schlechtere Mannschaft hat diesen hochstehenden Viertelfinal verloren. Sondern die weniger gute. Huttwil gelingt in der entscheidenden Partie am Samstag der perfekte Start und erzielt in Unterzahl das 1:0 (3. Min.). Churs erste Strafe wird gleich zum 2:0 genützt (7. Min.) Das 3:0 folgt als beide Mannschaften je einen Spieler auf der Strafbank haben (14. Min). Es ist die beste Viertelstunde dieser Saison. Eigentlich ist nach dem 3:0 alles klar. Oder doch nicht? Die Erinnerungen an den letzten Dienstag sind noch frisch, als eine 3:0 Führung in eine 3:5-Niederlage mündete. Doch jetzt ist alles anders. Die Huttwiler spielen konzentriert, einfach, präzis und ruhig weiter. Sie kommen zwar nicht zu mehr Torchancen als am Dienstag. Aber sie machen weniger Fehler.
In der 32. Minute verkürzt Mischa Bleiker im Powerplay trotzdem auf 3:1. Gibt es doch ein Drama? Am Dienstag hatte Chur in der 34. Minute auf 3:1 verkürzt. Nun folgt eine bange Viertelstunde. Für den Rest des zweiten Drittels ist Chur ein absolut ebenbürtiger Gegner und bleibt es auch in der ersten Phase des letzten Drittels. Die Huttwiler kontrollieren zwar Ebbe und Flut des Spiels. Aber eine totale Kontrolle gibt es nie. Was wird sein, wenn plötzlich doch das 3:2 fällt? In der 48. Minute folgt die Szene, die das Spiel und damit diesen Viertelfinal entscheidet. Michael Lüdi stürmt unaufhaltsam vorwärts. Der zurückgeeilte ehemalige Junioren-Internationale Nicolas Heini kann ihn nur noch regelwidrig zurückhalten. Penalty. Michael Ruch nimmt Anlauf und versenkt den Puck eiskalt zum 4:1.
Damit sind wir bei den entscheidenden Details, über die Reto von Arx gesprochen hat. Im Eishockey werden weniger als 50 Prozent der Penaltys auch verwertet. Die Art und Weise, wie Michael Ruch diesen Penalty verwertet hat ist bemerkenswert. Er ist so entschlossen, dass schon nach dem ersten Schritt seines Anlaufes irgendwie klar ist, dass er treffen wird. Warum das so war, erklärt Daniel Bieri nach dem Spiel: „Wir haben Churs Torhüter beim Einschiessen vor dem Spiel beobachtet und eine Schwäche auf der linken Stockhandseite gesehen. Michael Ruch ist ein Spezialist um genau dort zu treffen und wir haben gesagt: Sollten wir einen Penalty zugesprochen bekommen, dann wird er ihn ausführen...." Churs Goalie Marvin Korten hat den österreichischen Pass und eine Schweizer Lizenz. Er ist kein Nasenbohrer, gilt als einer der besten Goalies der Liga und hat schon zwei U 18 WM-Turniere für Österreich bestritten. Es ist also schon bemerkenswert, wenn Michael Ruch gegen einen Torhüter mit dieser Kragenweite einen Penalty so eiskalt versenkt. Und wenn wir schon bei den Torhütern sind: Siro Nicola Wyss hat nach dem 3:5 vom letzten Dienstag den Platz von Kevin Liechti (Hüftprobleme) übernommen und in zwei Partien bloss zwei Treffer kassiert. Er ist in Playoff-Form.
Konzentration von der ersten Sekunde an, Disziplin, Intensität, Leidenschaft, Mut, Selbstvertrauen, starke Einzelaktionen (wie eben der verwertete Penalty): Wir haben das wahre Huttwil gesehen. In einer Gala mit wenig Drama. In einem perfekten Spiel. Die Betonung der Mannschaftsleistung ist kein leerer Spruch: Die besten Einzelspieler haben sich vorbehaltlos in den Dienst des Kollektivs gestellt: Sage mir, ob „Schillerfalter" Jan Petrig bissig ist, und ich sage dir, wie es um Huttwil steht: Er hat in den vier Spielen gegen Chur vier Treffer erzielt).
Auch während der Qualifikation haben die Huttwiler hin und wieder eine fast perfekte Partie gespielt. Aber es fehlte die Konstanz der letzten Saison. Deshalb dauerte das Zittern um die Playoffs bis zur zweitletzten Partie und es reichte „nur" zum 7. Platz. Der Gegner im Halbfinal (am Donnerstag erstes Spiel auswärts, am Samstag die zweite Partie in Huttwil) heisst entweder Thun (wenn Thun am Dienstag Düdingen besiegt) oder Martigny. Die Chancen stehen 50:50. Mindestens. Die Bilanz aus den Direktbegegnungen ist zwar gegen beide Teams negativ. Aber die Mannschaft, die wir während der Qualifikation gesehen haben, ist nicht mehr mit der Mannschaft zu vergleichen, die den Viertelfinal gegen Chur in vier Partien gewonnen hat (3:2 n.V., 3:5, 5:1, 4:1). Was in der Qualifikation war, zählt nicht mehr. Die Huttwiler spielen nun zum richtigen Zeitpunkt ihr bestes Hockey.
Die Bilanz aus der Qualifikation gegen Thun
Thun – Huttwil 3:2
Huttwil – Thun 2:3
Huttwil – Thun 3:2
Thun – Huttwil 5:3
Die Bilanz aus der Qualifikation gegen Martigny
Martigny – Huttwil 6:3
Huttwil – Martigny 4:1
Martigny – Huttwil 4:2
Huttwil – Martigny 2:4
Torhüter #30 Siro Wyss, Hockey Huttwil
Headcoach Daniel Bieri, Hockey Huttwil
Stürmer Nicolas Hasler, EHC Chur
Headcoach Reto von Arx, EHC Chur