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Kleine Konzentrationsfehler entscheiden ein grossen Spiel

Die Huttwiler haben gegen Arosa zwar 2:4 (0:0, 1:2, 1:2) verloren. Aber sie haben das Publikum – 683 Frauen, Männer und Kinder waren in den Campus Perspektiven geeilt – mit einer spektakulären und am Ende dramatischen Partie bestens unterhalten.

Am Mittwoch hatten die Hockey-Götter in Thun gewürfelt und die Würfel sind für Huttwil gefallen (2:1-Sieg). Nun war es wieder ein Würfelspiel. Aber diesmal sind die Würfel für Arosa gefallen. Das Torschussverhältnis von 24:24 mag zeigen, wie ausgeglichen diese Partie war. Jedes Resultat wäre möglich gewesen. Das Glück, das beim Sieg in Thun ein wichtiger Faktor war, fehlte gegen Arosa. Am Ende hat nicht die schlechtere, sondern die noch bessere und ein wenig frischere und glücklichere Mannschaft gewonnen. Aber Glück ist auch immer Können.

Ein Blick in die Kaderliste liefert eine Antwort auf die Frage, warum es nicht zum Sieg gereicht hat. 18 Spieler bei Arosa sind nicht älter als 22 Jahre. Bei Hockey Huttwil sind es weniger als 10. Arosas Spiel wird geprägt durch leichtfüssiges Tempo und Spielfreude. Wenn es gelingt, diese Eigenschaften zu entfalten, dann können die jungen Spieler weit über sich hinauswachsen. Genau das ist in Huttwil gelungen. Trainer Rolf Schrepfer – er hatte einst als bissiger Leitwolf bei den Meisterteams der ZSC Lions (2000, 2001) und beim SCB (2004) Kultstatus – brachte es auf den Punkt: „Das war unser bisher bestes Spiel in dieser Saison.“

Es hat zwei entscheidende Phasen gegeben. In den ersten fünf Minuten dominieren die Huttwiler mit Härte und Tempo. Sie haben ihre Gegenspieler und die Partie im Griff. Aber sie verpassen es, das Spiel mit einem oder zwei frühen Treffern in die richtigen Bahnen zu lenken. Arosa übersteht diese Druckphase, löst sich aus der „Umklammerung“. So ziemlich jeder wird von den harten Checks der Huttwiler durchgeschüttelt, aber keiner eingeschüchtert. Nach und nach passen sich die Gäste an die intensive, raue Gangart an. Bereits im Laufe des ersten Drittels beginnen sie präziser zu kombinieren und sie lösen sich schneller aus der eigenen Zone als die Huttwiler.

Trotzdem: In lichten Momenten zeigen die Huttwiler, warum sie ein Spitzenteam sind. René Bruni ist und bleibt der Vili Saarijärvi des armen Mannes: Er trifft mit einem präzisen Weitschuss, den auch ein NL-Goalie kaum gehalten hätte, kurz vor „Halbzeit“ (29. Minute) zum 1:0. Es ist sein 8. Saisontreffer und kein anderer Verteidiger der Liga hat so oft getroffen. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt ist klar: Ein Tor wird nicht reichen. Dieses 1:0 entspricht nicht mehr ganz dem Spielverlauf, Arosa hat zu diesem Zeitpunkt bereits Fahrt aufgenommen. Die Bündner spüren und ahnen, dass sie diese Partie gewinnen können. Tom Frehner trifft im Nachschuss zum 1:1 (33. Minute) und David Rattaggi sorgt kurz vor der Pause im Powerplay für die erstmalige Führung (39. Minute). Aber nach dem 1:2-Rückstand nach zwei Dritteln ist für Hockey Huttwil noch nicht aller Tage Abend.

Erst im letzten Drittel kommt es schliesslich zur zweiten, alles entscheidenden und für das Spiel der Huttwiler charakteristische Szene: Es steht 1:2. Arosa spielt Powerplay. Silvan Hess und Yannick Lerch erkämpfen sich in der gegnerischen Zone den Puck und haben eine aufgelegte Möglichkeit. Wäre den Huttwilern in Unterzahl das 2:2 gelungen, dann hätten sie wahrscheinlich auch gewonnen. Aber vier Sekunden vor Ablauf der Strafe trifft Arosa in der 48. Minute zum 3:1.

Den Huttwilern werden letztlich keine groben Fehler, sondern kleine Konzentrationsfehler – mal eine verpasste Torchance, mal ein unpräziser Pass, mal ein Wechselfehler – zum Verhängnis. Diese Unzulänglichkeiten entscheiden in der Summe ein grosses Spiel. Sie sind auch dem immensen Energieverbrauch durch das Spitzenspiel in Thun geschuldet sind. Arosa hatte es am Mittwoch beim 5:1 beim Schlusslicht Wetzikon ein wenig einfacher gehabt als die Huttwiler in Thun. Dazu kommt: Kevin Liechti war erneut tadellos. Aber Arosa hatte mit Loic Perrin den noch besseren Goalie: Der bei Gottéron ausgebildete Junioren-Nationaltorhüter, der in der Saison 2022/23 bereits eine Partie in der National League bestritten hatte, brachte die Huttwiler zur Verzweiflung. So wie Kevin Liechti am Mittwoch in Thun, so hat Loic Perrin nun in Huttwil den Sieg gestohlen.

Am Ende wird sich zwar zeigen, dass das 1:3 in der 48. Minute die Entscheidung war. Aber die Huttwiler geben nicht auf. Timo Braus schliesst eine Powerplay-Kombination brillant mit dem Anschlusstreffer zum 2:3 ab (53. Minute). Bereits der 13. Treffer im 15. Spiel für den besten Torschützen der Liga. Er eröffnet eine dramatische, wilde Schlussphase. Der Ausgleich liegt mehrmals in der Luft. Coach Daniel Bieri ersetzt 34 Sekunden vor Schluss Kevin Liechti durch einen sechsten Feldspieler und Denis Szczepaniec, der Sohn des Kultverteidigers Oskar Szczepaniec (1998/99 bei Langnau) trifft ins leere Gehäuse zum 2:4.

Hockey Huttwil ist mit 61 Treffern das offensiv stärkste Team der Liga. Aber seit dem 8:2 gegen Langenthal ist die Balance zwischen Aufwand und Ertrag ein wenig verloren gegangen: Nur zwei Tore gegen Schlusslicht Wetzikon (2:4), im Spitzenkampf in Thun (2:1) und nun gegen Arosa (2:4). Diese vorübergehende offensive Flaute ist auch der intensiven Spielweise geschuldet: Die Huttwiler sind nicht dank ihres Talentes ein Spitzenteam. Sie kennen die spielerische Leichtigkeit des Seins nicht, müssen jedes Tor hart erarbeiten und zahlen einen Preis für die generöse Spielweise. Am Mittwoch folgt die nächste Herausforderung in Lyss. Auch dort werden zwei Tore voraussichtlich nicht zum Sieg reichen.

Klaus Zaugg

 

Headcoach Daniel Bieri, Hockey Huttwil

 

Verteidiger Noel Wüthrich, EHC Arosa


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