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EHC Winterthur vs Hockey Huttwil 5:1
Huttwils Schillerfalter auf dünnem Eis
Hockey Huttwil hat die erste Runde mit einer 2:7-Heimpleite gegen Dübendorf und einer 1:5-Niederlage in Winterthur abgeschlossen. Offensive Dynamik, Energie und Teamgeist haben die Huttwiler auf Rang zwei gebracht. Aber eine Zwischenbilanz zeigt, dass sie auf dünnem Eis stehen.
Die Huttwiler sind nun gegen jedes Team einmal angetreten. Der Optimist lehnt sich zufrieden zurück: Platz zwei, am zweitmeisten Tore erzielt, am zweitwenigsten Gegentreffer erhalten, auswärts Meister Seewen gebodigt (5:3), das dramatische Derby (2:1 nach Penaltys) gewonnen und sage und schreibe zwölf Punkte Vorsprung auf Langenthal. Eine solche Bilanz nach elf Partien hätten vor der Saison alle -Geschäftsführung, Sportchef, Coach, Spieler und erst recht die Fans – ohne zu zögern unterschrieben. Sie hätten diese Bilanz gleich noch vom bekannten Huttwiler Bildhauer Ueli Hausmann in Stein meisseln lassen. Die Erwartungen sind übertroffen worden. Das Ziel, die Qualifikation auf einem der ersten vier Ränge zu beenden ist realistisch und kann erreicht werden. Lob und Preis für alle.
Der Realist ist hingegen beunruhigt: Die Huttwiler haben nach acht Siegen in den ersten neun Spielen nun zweimal hintereinander auf beunruhigende Art und Weise verloren: Gegen Dübendorf (2:7) und nun am Samstag in Winterthur (1:5). Zwei Spiele, null Punkte, 3:12 Tore. Der Pessimist befürchtet gar schon ein Abrutschen ins untere Mittelfeld. Der Vorsprung auf Rang acht beträgt nur fünf Punkte.
Was ist also angebracht: Optimismus, Realismus oder Pessimismus? Die Niederlage in Winterthur gibt den Pessimisten recht. Zum ersten Mal in dieser Saison sind die Huttwiler vom Gegner weitgehend dominiert und vorgeführt worden. Die Zürcher sind nach dem freiwilligen Abstieg in der höchsten Amateur-Liga angekommen und feierten gegen Hockey Huttwil den dritten Sieg in Serie. Sie waren ganz einfach besser. Sie nützten jeden Fehler und Freiraum mit schnellen und präzisen Gegenangriffen aus und spielten mit höherer Intensität. Die Partie war zwar erst in der 49. Minute mit dem 3:1 entschieden. Trainer Daniel Bieri muss gespürt haben, dass der Untergang naht: In der 45. Minute nahm er sein Time-Out, um seine Männer zur Ordnung zu rufen. Es hat nichts genützt. Das 2:7 gegen Dübendorf ist bestätigt worden und war doch ein wenig mehr als ein „Betriebsunfall“.
Ist also Pessimismus vor dem Start zur zweiten Runde am Mittwoch in Thun (20.00 Uhr) berechtigt? Nicht ganz. Eher Realismus mit einer Prise Optimismus. Die Huttwiler haben acht der ersten neun Partien gewonnen und sind dazu in der Lage, jeden Gegner zu bodigen. Sie spielen mit hohem Energieaufwand ein modernes, „totales“ Hockey“. Sie sind erfolgreich, weil sie als Mannschaft funktionieren. Die gute Klassierung haben sie hart erarbeitet und ist nicht einfach das logische Resultat einer hohen Summe von Talent. Die Rechnung geht aber nur auf, wenn alles stimmt: Konzentration, Präzision, Disziplin, Intensität und Energie. Ein Fehler kann eine Kettenreaktion, einen Domino-Effekt auslösen: Einer eilt dem anderen zu Hilfe, statt seine Position zu halten, der sog. „Game Plan“ geht verloren und dann endet ein Spiel eben 2:7 oder 1:5. Es ist immer ein Tanz auf dünnem Eis.
Diese Ausgangslage erschwert die Arbeit des Trainers: Es gibt bei Hockey Huttwil keine Sündenböcke, die er auf die Tribüne schicken kann und dann ist alles wieder so wie es sein sollte. Das Selbstvertrauen aller Spieler zu hegen und zu pflegen und zugleich Disziplin und Konzentration durchzusetzen, die Balance zwischen Toben und Loben zu finden ist für Daniel Bieri jetzt so heikel wie das Halten kleiner Vögel in der Hand. Drückt er zu fest zu, brechen die Flügel. Lockert er den Griff zu sehr, fliegen ihm die Vögelchen – oder im Hockey eben die Schillerfalter - davon.
Um auf die anfangs gestellte Frage zurückzukommen: Die zwei Niederlagen sind zwar keine gute Nachricht. Aber auch kein Grund zur Panik. Immerhin haben die drei Treffer beim 2:7 gegen Dübendorf und beim 1:5 in Winterthur Michael Lüdi, Janik Lanz und Timo Braus erzielt. Es spricht also einiges dafür, dass die offensiven Schillerfalter ihre Flügel bald wieder entfalten werden. Eigentlich steht Daniel Bieri vor einer ganz ähnlichen Herausforderung wie Serge Aubin beim SCB nach dem samstäglichen 1:8 gegen Zug. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die Huttwiler gehen einer geregelten Arbeit nach und haben deshalb viel weniger Zeit zur Erholung als die Profis in der National League. Serge Aubin hat seinen Spielern vier Tage frei gegeben. Erst am Donnerstag müssen sie wieder zum Training einrücken. In dieser Zeit haben die Huttwiler bereits wieder drei Tage richtig gearbeitet, einmal trainiert und die Partie gegen Thun bestritten.
Klaus Zaugg
Highlights ab 12 Uhr verfügbar





















