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 10 Sekunden Hoffnung sind alles, was bleibt…

Seewen gewinnt das 5. und letzte Finalspiel 5:1 und damit die Meisterschaft der MyHockey League. Die Enttäuschung ist bei den Huttwilern gross. Aber sie dürfen mit Stolz auf eine grandiose Saison zurückblicken.

Keine Meisterfeier. Aber sie hätte über die Bühne gehen können. Rolf Jordi, der Besitzer des „Pöstli“ am malerischen Brunnenplatz hatte eine Freinacht vorbereitet. Das Personal war angewiesen, für feiernde Fans die Sperrstunde (00.30 Uhr) aufzuheben und – um in der Hockeysprache zu bleiben - in die Verlängerung zu gehen. Die Rückreise von Seewen nach Huttwil dauert ja rund eine Stunde und vor Mitternacht hätte die Party nicht steigen können. Ja, er legte sich noch nicht schlafen und wäre im Falle einer Meisterfeier als Aushilfe herbeigeeilt. Getränke, auch gegorene, gekelterte und gebrannte, waren sowieso genug im Haus.

Das „Pöstli“ ist von den Fans nicht gerockt worden. Nach der Heimkehr aus Seewen suchten sie nicht einmal mehr Trost im Kultlokal des Städtchens. Das mag zeigen, wie tief die Enttäuschung sass. Eine gute Viertelstunde nach Mitternacht tauchte ein einziger Fan auf. Desillusioniert und traurig wie ein verregneter Vogel, der im Spätherbst den Abflug nach Süden verpasst hat, schilderte er den letzten Gästen aus erster Hand, was sich in Seewen zugetragen hat.

So nahe am grossen Triumph und dann doch gescheitert: Am Sonntagnachmittag verlieren die Huttwiler auf eigenem Eis 0:3. Keine Meisterfeier. Die zweite und die letzte Chance auf den Meistertitel vergeben sie am Dienstag in Seewen und verlieren gar 1:5. Definitiv keine Meisterfeier.

Die hockeytechnische Analyse des fünften und letzten Finalspiels ist die einfachste: Es gibt kein „wenn“ und „aber“, kein „hätte“ und „könnte“. Keine Schlüsselszene, in der die Partie hätte in die andere Richtung kippen können. Kein Schiedsrichterentscheid als Ausrede. Glück und Pech spielten keine Rolle, die Hockeygötter würfelten nicht. Die Niederlage ist klar und wahr und logisch. Seewen war ganz einfach in jeder Beziehung besser. Vom Torhüter über die Verteidiger zu den Stürmern. Robuster, selbstsicherer, frischer, konzentrierter, dominanter in den Zweikämpfen. Das „Schwyzer Nationalteam“ begeisterte mit spielerischen Sinfonien und verschaffte sich bei Bedarf mit „Muotathaler Rumpelhockey“ Respekt. Während 60 Minuten blitzte nur 10 Sekunden Hoffnung auf und verglühte gleich wie eine Sternschnuppe: Im Powerplay gelingt Robin Nyffeler, dem besten seiner Mannschaft, nach exakt 10:12 Minuten der Ausgleich. 10 Sekunden später trifft Yannick Capaul zum 2:1. Zehn Sekunden Hoffnung sind alles, was von diesem Final bleibt.

Nach dem 3:1 in der 14. Minute holt Daniel Bieri Siro Nicola Wyss vom Eis. Nicht weil der letzte Mann der Huttwiler ein „Lottergoalie“ war. Es ist einfach die letzte, eigentlich schon fast verzweifelte Massnahme, die einem Coach in einer schier hoffnungslosen Lage noch bleibt. Diego Leuenberger kommt zu seinem ersten Playoff-Einsatz. Der 23jährige ehemalige SCB-Elitejunior mit guter Postur (184 cm) und vom Stil her ein wenig an Stéphane Charlin mahnend, bewährt sich. Er ist gegen die zwei brillant herausgespielten Gegentreffer zum 4:1 und 5:1 machtlos. Wird er der Nachfolger von Kevin Liechti, der seine Karriere beendet? Diese Frage ist noch offen.

Nach dem 3:1 beginnt die längste Meisterfeier in der neueren Geschichte unseres Hockeys: Seewen kontrolliert die Partie mit Verstand und Klasse. Nicht eine Sekunde kommen Zweifel auf. Nichts kann mehr schiefgehen. Mehr als zwei Drittel lang schwelgen die Fans in der Vorfreude auf eine Meisterfeier. Die Stimmung ist grandios. Ein Hockeyfest wie es in dieser friedlichen Atmosphäre nur noch im Amateursport möglich ist. Nie wird der Gegner mit Schmäh-Sprechhören beleidigt, wie dies in der höchsten Liga immer wieder vorkommt. Wie bei allen fünf Finalpartien ein faires, sachkundiges Publikum, das weiss, dass zu eine so dramatischen, hochstehenden Finalserie zwei Mannschaften gehören. Ein grosser, verdienter, würdiger Meister und ein tapferer, fairer Verlierer.

Die Frage ist natürlich: Warum waren die Huttwiler am Ende chancenlos? Sie hatten doch in der Qualifikation zwei von drei Partien gegen Seewen gewonnen und nach der Auftaktniederlage im Final (1:3 in Seewen) mit zwei Siegen (4:3 in Huttwil und 2:1 nach Verlängerung in Seewen) zwei „Machtpucks“ erarbeitet! Es waren für Seewen die ersten zwei Niederlagen nach 16 Playoff-Siegen in Serie.

Im Rückblick zeigt sich: Die zwei Siege im Final waren möglich, weil Daniel Bieris Männer über sich hinausgewachsen sind. Weil sie ein bisschen grösser und schwerer und schneller waren als sie eigentlich sind. Es waren zwei Siege „auf dem letzten Drücker“ in intensiven, hochstehenden, ausgeglichenen Partien, bei denen jedes Resultat möglich war. Diese zwei Siege hätten eigentlich das Selbstvertrauen des Titelverteidigers erschüttern können. Aber das Gegenteil ist passiert: Sie rüttelten den Titanen wach. Erst im vierten und fünften Final schöpften die Seebner ihr ganzes Potenzial restlos aus. Sie waren im letzten Frühjahr erstmals Meister geworden, sie wissen, wie man Meisterschaften gewinnt und diese Erfahrung, dieses Selbstvertrauen spielte in diesem Final auch eine Rolle.

Huttwils Trainer Daniel Bieri ist nun ein wenig der „Patrick Fischer des Amateurhockeys“. Ein erfolgreicher Trainer, dem die Krönung versagt bleibt. Der sein Team nach 2022 zum zweiten Mal in den Final geführt und beide Finals erst im 5. Spiel verloren hat. Und es ist wie bei Patrick Fischer: Eigentlich sollte der Stolz und die Freude über die Finalteilnahme grösser sein als die Enttäuschung über das Scheitern auf der Zielgerade.

Ja, die Enttäuschung in Seewen war gross. Die Huttwiler gratulieren dem alten und neuen Meister, jedem einzelnen Spieler und verabschieden sich so wie es sich gehört von den wohl fast hundert angereisten Fans, die tapfer bis zum Schluss ihre Mannschaft angefeuert haten und bei diesem dritten Final-Auswärtsspiel so laut waren wie noch nie.

Wohl eine gute Viertelstunde lang bleibt die Türe zur Garderobe zu. Als dann Daniel Bieri zu einer ersten Analyse erscheint, hat er die Silber-Medaille bei sich. „Als wir den Final gegen Basel verloren, habe ich die Silbermedaille kaum beachtet. Aber jetzt betrachte ich sie mit Stolz.“ Es ist ein berechtigter Stolz auf eine sehr gute Saison. Er sagt, Seewen sei einfach besser gewesen. Punkt. „Wir hatten zwei Matchpucks. Aber mit dieser Situation konnten wir nicht umgehen. Es war, als hätten wir irgendwie Angst vor dem Sieg, vor dieser Möglichkeit, Meister zu werden.“ Es ist der Mangel an Erfahrung mit dieser Extremsituation. Nun haben alle diese Erfahrung.

Die Enttäuschung über das Scheitern im Final ist verständlich, trübt aber im ersten Augenblick eine überwiegend positive Bilanz mit Rang 3 in der Qualifikation (wie im Vorjahr) und dem Vorstoss in den Final (im Vorjahr Halbfinal verloren). Und da ist ja noch etwas: Hockey Huttwil hat das letzte Spiel um die höchste Ehre, um den Titel verloren. In Bern, Biel und Langnau sind die entscheidenden letzten Spiele um die Teilnahme an den Playoffs verloren gegangen. Die Huttwiler haben die Ehre der bernischen Hockeykultur gerettet.

Daniel Bieri – sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der nächsten Saison - geht davon aus, dass Hockey Huttwil nächste Saison ebenso konkurrenzfähig sein wird. „Der Kern der Mannschaft bleibt.“ Ein mitgereister Fan versuchte ihn nach dem verlorenen Final zu trösten: Das Saisonziel sei ja erreicht worden: Alle drei Spiele gegen den „Liga-Krösus“ Langenthal gewonnen (5:3, 6:3, 2:1 n.V). Das sei doch die Hauptsache und wichtiger als ein Meistertitel. Was sei denn schon eine Meisterfeier im Vergleich zu drei Siegen gegen Langenthal? Daniel Bieri war mit dieser Einschätzung nicht einverstanden: „Für den Meistertitel hätte ich gerne auf einen der Siege gegen Langenthal verzichtet…“ Nun, wo er recht hat, da hat er recht.

Klaus Zaugg


Premiumpartner

  • Touring-Garage AG Huttwil
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