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Trotz Niederlage: Grosses Spiel, grosses Huttwil

Hockey Huttwil verliert das Spitzenspiel gegen Seewen erst in der Verlängerung 3:4 (2;1, 0:0, 1:2, 0:1). Zwei Brüderpaare prägen das hochstehende Spektakel: Dominic und Janik Lanz bei Hockey Huttwil, Livio und Luca Langenegger bei Seewen. Sie erzielen zusammen 6 der 7 Tore.

Eigentlich ist ein guter Trainer nach einer Niederlage nie zufrieden. Das gilt erst recht für Daniel Bieri. Doch nach der Partie sagt er: „Wir dürfen mit einem guten Gefühl nach Hause fahren.“ Huttwils Bandengeneral hat trotz einer bitteren und ärgerlichen Niederlage gute Gründe für die positive Beurteilung. Hockey Huttwil und Seewen zelebrieren ein Spitzenspiel mit höchstem Unterhaltungswert. viel Dramatik und gutem Niveau: Es ist Swiss League-Hockey ohne Ausländer. Auch der Verlierer darf erhobenen Hauptes die Arena verlassen.

Bis zum Ausgleich 2 Minuten und 51 Sekunden vor Schluss zum 3:3 geht Daniel Bieris Rechnung auf. Er hat mit einer geschickten Umstellung den offensiven Knoten - nur 4 Tore in den vorangegangenen zwei Partien gegen Franches Montagnes (0:5) und Schlusslicht Oberthurgau (3:1) – durch eine geschickte Umstellung gelöst: Neu stürmt Janik Lanz statt Timo Braus in der ersten Linie neben Michael Lüdi und Topskorer Fabian Haldimann. Timo Braus bildet neu mit Joel Bieri und Dominic Lanz den zweiten Sturm. Und siehe da: Huttwils Offensive rockt den Meister. Janik Lanz erzielt das 1:0 und 2:0 und sein Bruder Dominic das 3:1. Eindrücklich zeigt sich in Seewen: Wenn Dominic und Janik Lanz in Fahrt kommen ist Hockey Huttwil eine andere Mannschaft. Beide sind nach Verletzungspech bzw. gesundheitlichen Problemen auf dem Weg zurück zur Bestform. Und Michael Lüdi ist schon fast wieder ein dominanter Center wie während der Saison 2021/22, als er Teamtopskorer war. Er fädelt die zwei Powerplay-Treffer zum 2:1 und 3:1 ein. Er hat auch das 4:1 – und damit die Entscheidung - auf dem Stock und scheitert knapp.

Gegen jeden anderen Gegner hätte das 3:1 in der 50. Minute die Entscheidung bedeutet. Aber nicht gegen den Meister und Tabellenführer. Captain Livio Langenegger orchestriert Seewens Schlussoffensive. Ein charismatischer Leitwolf, der während der Saison 2021/22 25 Spiele für die SCL Tigers (4 Assists) bestritt. Er hatte bereits das 1:1 erzielt und entscheidet mit seinem zweiten Treffer in der Verlängerung die Partie. Sein Bruder Luca hatte den Ausgleich zum 3:3 beigesteuert.

War es eine vermeidbare Niederlage? Ja und nein. Ja, weil die Huttwiler jederzeit auf Augenhöhe mitgespielt haben und vermeidbare individuelle Fehler sowohl den späten Ausgleich zum 3:3 als auch das 3:4 in der Verlängerung kosteten. Torhüter Kevin Liechti war machtlos. Nein, weil Seewen in der Schlussphase die spielerische Magie wieder gefunden hat, die für ein erfolgreiches Team typisch ist: Siege produzieren weitere Siege. Oder trotz Niederlage auf einen Nenner gebracht: Grosses Spiel, grosses Huttwil und mit Seewen ein grosser Sieger.

Wenn wir eine kurze Zwischenbilanz ziehen, dann sehen wir: Den Huttwilern ist es bisher noch nicht gelungen, ihr Potenzial in allen bisherigen 10 Partien auszuspielen. Statistisch ist alles mehr oder weniger alles so wie in den letzten Jahren. Hockey Huttwil steht zwar „nur“ auf Rang 5. Aber der Rückstand auf den 2. Platz beträgt nur zwei Verlustpunkte. Daniel Bieri sagt: „Wir sind noch zu wenig beständig. Die Spanne reicht von sehr gut bis chancenlos und das sollte nicht so sein.“ Tatsächlich waren die Huttwiler in einzelnen Partien überragend – sie haben bisher als einzige Meister Seewen in zwei Partien vier Punkte abgeknöpft – und in anderen Spielen wie beim 0:5 gegen Franches Montagnes chancenlos.

Daniel Bieri sagt, diese Schwankungen seien keine Frage der Qualität oder von Glück und Pech. „Wir sind nur gut, wenn jeder die kleinen Dinge richtig macht und konzentriert bei der Sache ist. Das war bisher nicht immer der Fall.“ Das ist auch bei den hochbezahlten Profis in der höchsten Liga nicht anders. Auch da gehören Schwankungen zum Alltag. Langnau gewinnt beispielsweise gegen Gottéron 6:0 und verliert die nächste Partie gegen Ajoie 0:2. Der SCB bodigt auswärts Gottéron (2:1 n.P.) und verliert anschliessend schmachvoll gegen Ajoie (4:5).

Die Mannschaft ist intakt, zelebriert an einem guten Abend ein spektakuläres Lauf- und Tempohockey. Auf schwache Partien wie zuletzt gegen Franches Montagnes und Schlusslicht Oberthurgau erfolgte nun in Seewen eine eindrückliche Reaktion Das stimmt für den weiteren Saisonverlauf zuversichtlich: Die Mannschaft hat ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft und gehört trotzdem zu den Besten der Liga. Kommt dazu: Unbeständigkeit erhöht den Unterhaltungswert: Wer in den Campus zum Spiel geht, muss mit dem Schlimmsten rechnen und darf zugleich auf das Beste hoffen. Nichts wäre langweiliger, als wenn man schon zum Voraus wüsste, wie es ausgehen wird. Am Samstag treten die Huttwiler in Wetzikon an, das nächste Heimspektakel wird am nächsten Mittwoch im Campus gegen Thun aufgeführt.
Klaus Zaugg

Verfügbar ab 12:00 Uhr


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