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EHC Seewen vs Hockey Huttwil 3:5
Glück und die Energie von Jan Weber
In einem Drama sondergleichen gewinnt Hockey Huttwil auswärts gegen Meister Seewen 5:3 und behauptet die Tabellenführung. Aber es hätte alles aus ganz anders kommen können.
Für die Trainer war diese Achterbahn der Gefühle sicherlich ein Albtraum. Für die Fans hingegen ein Drama sondergleichen und von höchstem Unterhaltungswert. Meister Seewen führt zwei Mal (2:1 und 3:2) und scheint im Schlussdrittel nach dem 3:2 (44. Minute) auf dem Weg zum Sieg. Aber Fabian Haldimann schaffte postwenden 41 Sekunden später den Ausgleich. Bevor sich bei den Huttwilern und bei Torhüter Siro Nicola Wyss die Dämonen der Unsicherheit einschleichen können.
Es passt zu diesem dramatischen Spiel, dass ein Tor in Unterzahl von Jan Weber den Huttwiler den Weg zum Sieg ebnete. Nicht einer der offensiven Titanen führt in der 51. Minute mit dem 4:3 die Entscheidung herbei. Es ist mit Jan Weber einer der kampfstarken „Hinterbänkler“ und Energiespieler, der bereits für das 0:1 (5. Min.) gesorgt hatte. Einer aus der dritten Linie, an den einst in Langnaus Nachwuchsabteilung niemand geglaubt hatte. Einer, von dem hingegen Trainer Daniel Bieri stets überzeugt war und den er seit 2022 geduldig an die höchste Amateurliga herangeführt hat.
Das ist eine der Qualitäten von Hockey Huttwil: Mal sind es die offensiven Titanen, mal sind es die vermeintlichen „Hinterbänkler“ wie Jan Weber, die für die Entscheidung sorgen. Hockey ist eben doch der letzte wahre Mannschaftsport. Hockey Huttwil führt die Tabelle nach wie vor in erster Linie an, weil keine andere Mannschaft diese Ausgeglichenheit über vier Linien aufs Eis bringt.
Die Partien zwischen den beiden Finalisten von 2026 sind längst die Klassiker im Amateurhockey und garantieren Drama, bestes Hockey und Unterhaltung. Die Fans sind auch diesmal nicht enttäuscht worden. Huttwils Trainer Daniel Bieri sprach von einer Achterbahn der Gefühle. Mal sei sein Team am Drücker gewesen, mal Seewen und Konstanz habe es nicht gegeben. Er zollte dem Meister höchsten Respekt. „Wir haben ganz einfach mehr Glück gehabt. Es hätte auch ganz anders ausgehen können.“
Ein „weicher“ Faktor spielte wohl auch eine Rolle. Wer auf einer Erfolgswelle surft, dem fallen die Siege zu. Meister Seewen hatte die letzten drei Partien (gegen Frauenfeld, Winterthur und Lyss) verloren, Huttwil hingegen diese Saison sieben von acht Partien gewonnen. Und so hat es durchaus seine Logik, dass Seewen eben auch die vierte Niederlage in Serie kassiert. So sind die Hockeygötter: Sie geben jenen, die schon haben.
Die Huttwiler verdanken den Sieg in dieser wechselvollen Partie letztlich auch dem Selbstvertrauen, das einem Tabellenführer halt einfach eigen ist. Und dass Jan Weber und nicht einer der offenisven Titanen der Held der Partie war, steht für eine der Qualitäten des Tabellenführers: Ausgeglichenheit über vier Linien und einen bemerkenswerten Zusammenhalt.
Am Samstag wartet auf Hockey Huttwil mit Dübendorf ein Gegner, der nach der Startniederlage gegen Seewen acht Mal hintereinander gewonnen hat. Die Zürcher, gecoacht von Christian Weber, vom „Mike Jagger des Eishockeys“ werden am Samstag im Campus Perspektiven (17.30 Uhr) den Huttwiler alles abverlangen. Christian Weber steht als Trainer an der Bande der Dübendorfer. Der 62jährige Dübendorfer gilt als „Mike Jagger des Hockeys“ weil er seit ewigen Zeiten dabei ist. Als Spieler 1984 und 1985 mit Davos und 2000 und 2001 Meister mit den ZSC Lions und seit 2001 als Coach erfolgreich. Zuletzt dirigierte er als Bandengeneral den EHC Basel im Frühjahr 2022 im Final gegen Hocke< Huttwil zum Meistertitel und zum Aufstieg in die Swiss League. Dübendorf hat mit dem Offensiv-Verteidiger Fabian Ganz (813 Spiele in der zweithöchsten Liga) und mit Devin Muller, dem Sohn von Colin Muller und punktgleich mit Arnaud Schnell bester Skorer der Liga, zwei hochkarätige Stars in seinen Reihen. Aber die Huttwiler haben soeben in Seewen bewiesen, dass Ausgeglichenheit über vier Linien und Zusammenhalt auch über mehr Talent triumphieren können. Und Topskorer Timo Braus liegt in der Skorerliste nur einen Puntk hinter Arnaud Schnegg und Devin Muller.
Klaus Zaugg
Highlights ab 12 Uhr verfügbar





















